Eine Fortbildung mit Mehrwert

Mit Herz, Haltung und einem guten Nein

Wie lässt sich ehrenamtliches Engagement mit Zufriedenheit gestalten? Bei der Fortbildung „In Beziehung wirken – Selbstreflexion, Beziehung und Kommunikation im Ehrenamt“ beschäftigten sich 14 wellcome-Ehrenamtliche mit ihrer Rolle, gelingender Kommunikation und einem achtsamen Umgang mit den eigenen Kräften.

Wer sich für andere engagiert, bringt Zeit, Aufmerksamkeit und viel Herz mit. Dabei verdienen auch die eigenen Bedürfnisse und Grenzen einen festen Platz. Genau hier setzte die Fortbildung am 16. September und am 2. Oktober an: In zwei Gruppen mit sechs und acht Personen nahmen sich die Ehrenamtlichen jeweils von 9 bis 16 Uhr Zeit, ihr Engagement aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Begleitet wurden sie von Judith Muzzolini, Psychologin (M.Sc.), und Nils Bloom, Psychologe (M.Sc.).

 

Ein Fabeltier macht die eigene Haltung sichtbar

Der Einstieg war ungewöhnlich: Die Teilnehmenden stellten eigene Wolpertinger zusammen. Die fantasievollen Fabeltiere dienten dazu, persönliche Eigenschaften und die innere Haltung sichtbar zu machen, die das Engagement als wellcome-Engel prägen.

So wurde aus einer kreativen Aufgabe ein Anlass zur Selbstreflexion. Die Ehrenamtlichen setzten sich damit auseinander, was sie in ihre Tätigkeit einbringen und wie sie ihre Rolle verstehen. Der Wolpertinger machte ein zunächst abstraktes Thema anschaulich und bot einen persönlichen Zugang zum Gespräch über das eigene Ehrenamt.

 

Aufmerksam zuhören und authentisch kommunizieren

Ein weiterer Schwerpunkt war die personenzentrierte Gesprächsführung als Möglichkeit, gewaltfrei, authentisch und ohne vorschnelle Bewertungen zu kommunizieren. Dabei ging es um eine zugewandte Haltung im Gespräch: dem Gegenüber aufmerksam begegnen, seine Perspektive ernst nehmen und zugleich mit den eigenen Wahrnehmungen und Bedürfnissen in Kontakt bleiben.

Für das Ehrenamt ist diese Verbindung besonders wertvoll. In Beziehungen treffen unterschiedliche Erfahrungen, Erwartungen und Sichtweisen aufeinander. Die Fortbildung bot Gelegenheit, das eigene Gesprächsverhalten zu reflektieren und sich damit auseinanderzusetzen, wie Verständigung auch in herausfordernden Situationen gelingen kann. Theoretische Impulse wurden durch Anwendungsübungen und Diskussionen ergänzt.

 

Grenzen setzen gehört zum Engagement

Wer für andere da ist, darf auch auf sich selbst achten. Deshalb nahm die Selbstfürsorge einen wichtigen Platz in der Fortbildung ein. Im Mittelpunkt stand das Ziel, Beziehungen und Aufgaben im Ehrenamt mit Zufriedenheit zu gestalten und dabei die eigenen Kräfte im Blick zu behalten.

In Gruppenübungen und im Erfahrungsaustausch beschäftigten sich die Teilnehmenden mit dem Setzen von Grenzen und dem Nein-Sagen. Dabei wurde die eigene Rolle noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet: Verantwortung zu übernehmen bedeutet auch, wahrzunehmen, was man leisten kann und wo persönliche Grenzen liegen. Ein klares Nein kann helfen, die eigene Bereitschaft zum Engagement auf Dauer zu erhalten.

 

Stress erkennen und Handlungsmöglichkeiten entwickeln

Auch der Umgang mit Stress gehörte zu den Fortbildungsinhalten. Die Ehrenamtlichen erhielten Impulse dazu, Stress zu erkennen und besser zu verstehen. Ergänzende Übungen unterstützten sie dabei, Strategien zur Selbstregulation zu entwickeln und Handlungsmöglichkeiten für herausfordernde Situationen zu erkunden.

Damit rückte eine Fähigkeit in den Fokus, die im engagierten Alltag leicht zu kurz kommen kann: die eigene Belastung wahrzunehmen und bewusst darauf zu reagieren. Selbstfürsorge erhielt so einen konkreten Bezug zu den Beziehungen und Aufgaben im Ehrenamt.

Neben fachlichem Input gab es Raum für persönliche Erfahrungen, Fragen und den Austausch untereinander. Die Fortbildung verband kreative Selbstreflexion mit praktischen Übungen und gemeinsamen Gesprächen – und widmete sich damit einer wichtigen Grundlage für zufriedenstellendes Engagement: Beziehungen bewusst zu gestalten und dabei auch gut für sich selbst zu sorgen.